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Cambridge Audio L/R S im Test: Purist für den Desktop

Die Einführung der L/R-Serie markiert für den britischen Traditionshersteller Cambridge Audio einen signifikanten Wendepunkt. Statt den propagierten „Great British Sound“ mithilfe der Kombination hochwertiger, passiver Hi-Fi-Trennbausteine wie Vorverstärker und Endstufen zu erreichen, markiert die optisch auffällig gehaltene Modellreihe den Schritt hin zu hochintegrierten, aktiven Lautsprechersystemen.

Von   Uhr

Das S-Modell verzichtet auf die Integration von Wi-Fi-Modulen sowie die Smarthome-Einbindung via HDMI und tritt damit bewusst nicht in direkte Konkurrenz etwa zum Sonos-System. Stattdessen reduziert es sich auf essenzielle Tugenden wie optische Digitaleingänge und eine hochwertige Class-D-Verstärkung. Diese Reduktion positioniert die L/R S lasergenau als attraktive Desktop-Lösung für Schreibtische, Mac-Arbeitsplätze und kleinere Räume, in denen der Hörer im Nahfeld agiert. Den Weg in die Jetztzeit findet die Box mit der Übertragung von Audiodaten via Bluetooth bis hin zum hochauflösenden aptX-HD-Format von kompatiblen Geräten. Dabei fällt nicht einmal die Installation einer weiteren App an: Ein Halten der Bluetooth-Taste auf dem Gehäuserücken der aktiven Primärbox reicht zur schnellen Kopplung. Für Cutter und Content-Erschaffer, die mit Software wie Adobe Premiere und Final Cut Pro arbeiten, erweist sich die USB-C-Verbindung als essenziell, da sie – im Gegensatz zu Bluetooth – keinerlei Latenz zwischen Bild und Ton verursacht. Davon profitieren auch Gamer.

Sommer-Angebot

Sinnvolle Schnittstellenauswahl: Die Rückseite der aktiven Box beherbergt digitale wie analoge Ein- und Ausgänge – etwa zu einem Subwoofer.
Sinnvolle Schnittstellenauswahl: Die Rückseite der aktiven Box beherbergt digitale wie analoge Ein- und Ausgänge – etwa zu einem Subwoofer. (Bild: Cambridge Audio)

Dass die Boxen nicht nur optisch auf den Einsatz im Arbeitsbereich abzielen, offenbaren ihre mächtigen Werkzeuge zur Raumanpassung. Die harte Tischplatte des Schreibtischs reflektiert den Schall, was oft zu Phasenverschiebungen und destruktiven Interferenzen im Grundtonbereich führt. Hier greift die zuschaltbare Desktop-Funktion auf der Rückseite ein: Sie verzögert das Signal des Hochtöners um Mikrosekunden und senkt den Frequenzbereich ab, um diese akustischen Unreinheiten auszugleichen und die tonale Balance wiederherzustellen. Die „Near Wall“-Funktion adressiert ein anderes physikalisches Problem: Steht der Lautsprecher nah an einer Wand, verstärken sich tiefe Frequenzen unkontrolliert. Der Schalter senkt den sensiblen mittleren Bassbereich um 100 Hertz gezielt ab, um ein dröhnendes Klangbild zu verhindern.

Klanglich überzeugen die L/R S mit ihrer außergewöhnlichen Energie und dem schieren Volumen. Sie verhelfen dem Schreibtisch zu einer wortwörtlich großen Bühne. Im Gegensatz zu künstlich „aufgedickten“ Systemen bewahren sie die strukturelle Integrität komplexer Aufnahmen. Egal, ob es sich um dicht arrangierten elektronischen Pop oder um hochdynamische klassische Symphonien handelt, die Lautsprecher verlieren nie die Kontrolle und formen ein ehrliches, stressfreies Erlebnis. Die tonale Abstimmung lässt sich als „süffig“, angenehm warm und außerordentlich musikalisch beschreiben, ohne jemals analytisch-kühl oder belehrend zu wirken.

Thomas Raukamp // Redakteur
Thomas Raukamp

Neugier, Technikoptimismus und eine Offenheit für die verschiedensten Themen haben Thomas Raukamp seit jeher angetrieben. Dabei fühlt er sich nicht einer bestimmten Plattform verbunden, sondern der Idee dahinter – und den Menschen, die sie prägen. Wie Microsoft-Chef Satya Nadella Empathie zu seiner Triebfeder macht, warum die Philosophie des Zen das Design von Laptops beeinflussen kann und ob Maschinen so etwas wie Gefühle entwickeln: Thomas spürt gern den großen und kleinen Impulsen nach, die hinter den Menschen und ihren Produkten stecken.

Seine journalistischen Stationen lesen sich wie eine Landkarte dieser Neugier. Angefangen beim Atari-Magazin „st-computer“ über das Musikproduktionsmagazin „Beat“ und die Sportzeitschrift „Sportsfreund“ bis hin zu seiner gegenwärtigen Interessensplattform „CHIP“, der Traditionsmarke im deutschen IT-Journalismus – Thomas war und ist stets mit Leidenschaft für seine Themen dabei.

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Fazit

Hervorragend klingende Box für Musikliebhaber und Content-Erschaffer abseits der Audioproduktion.

Testergebnis
ProduktnameCambridge Audio L/R S
HerstellerCambridge Audio
Preis499 €
Webseitecambridgeaudio.com
Pro
  • + tiefer und straffer Bass
  • + sehr gute räumliche Ortung
  • + exzellente Raumanpassung
Contra
  • - kein HDMI (eARC)
  • - proprietäres Verbindungskabel
Bewertung
1,2sehr gut

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